Dies ist der erste Teil unseres Einkaufsberaters für Autositze. Hier finden Sie Infos über das System der Gruppen bei Autositzen und die verschiedenen Haltesysteme.
Im zweiten Teil des Einkaufsberaters gibt es dann noch viele nützliche Einkaufstipps.

Die Einteilung nach Gruppen

Autokindersitze sind in Gruppen eingeteilt. Die Bezeichnung für die Gruppen sind die Zahlen 0 bis 3. Dies mag auf den ersten Blick etwas verwirren, aber diese Einteilung macht durchaus Sinn. Welcher Gruppe ein Kindersitz zugeordnet wird, richtet sich nach dem Gewicht des Kindes.

Es gibt folgende Gruppen:

Gruppenbezeichnung Geeignet für Gewicht und Alter
0 bis 10 KG (veraltet)
0+ Babyschale bis 13 kg; Alter bis ca. 15 Monaten
1 9-18 kg; Alter ca. 1-4 Jahre
2 15-25kg; Alter ca. 3-6 Jahre
3 22-36 kg; Alter ca. 6-12 Jahre

Wenn ein Kindersitz für mehrere Gruppen geeignet ist, werden einfach die verschiedenen Gruppen nebeneinander gelistet. Dafür gibt es verschiedene Schreibweisen, zum Beispiel:

  • Gruppe 2+3 => geeignet für Gewicht von 15-36kg
  • Gruppe 1 2 3 => geeignet für Gewicht von 9-36kg
  • Gruppe I + II =>  geeignet für Gewicht von 8-25kg


Die Norm ECE- R 44

Europäische Prüfnorm für Kinderautositze. Nach der aktuellen ECE-Norm von 2005 sind nur noch Modelle mit der Prüfziffer 03 bzw. 04 zugelassen (also ECE R 44-03 bzw. ECE R 44-04), da nur sie dem aktuellen Sicherheitsstandard entsprechen.

Kinderrückhaltesysteme, die noch nach ECE 44-02 oder 44-01 zugelassen sind, bieten keinen adäquaten Schutz mehr und dürfen seit dem 8. April 2008 nicht mehr benutzt werden.

In Deutschland finden Sie im Handel nur Autositze, die dem aktuellen Sicherheitsstandard entsprechend.

ISO-Fix (Haltesystem)

Iso-Fix ist ein spezielles Haltesystem für Babyschalen und Kinderautositze, welches bei manchen Autoherstellern von Werk aus eingebaut ist. Dabei befinden sich zwei "Greifarme" am Kindersitz, die in die passenden Gegenstücke im Fahrzeug eingerastet werden. Hierdurch entsteht nicht nur eine absolut feste Verbindung zwischen Sitz und Fahrzeug, auch die Gefahr durch eine Fehlbedienung konnte deutlich gesenkt werden.
ISO-Fix Kindersitze benötigen eine Typenzulassung für das jeweilige Fahrzeug. Die Fahrzeugtypenliste liegt gewöhnlich dem Kindersitz bei. Leider sind diese nicht immer auf dem aktuellsten Stand, ebenso wenig wie die Listen im Internet. Klarheit bringt da eine Nachfrage beim Hersteller.

Top Tether (Haltesystem)

Es gibt auch Kinderautositze mit ISO-Fix, die eine sogenannte „Universalzulassung“ besitzen. Diese ist nicht mehr auf einen bestimmten Fahrzeugtyp beschränkt, sondern kann in allen Autos mit ISO-Fix-Einrichtung verwendet werden. Allerdings müssen diese Kindersitze zusätzlich über einen sogenannten „Top Tether“ gesichert werden. Der Top Tether ist ein Zusatz-Gurt, mit welchem der Kindersitz am Autositz oder einem Haken am Autodach befestigt wird.
Das Fahrzeug muss für die Befestigung dieses Zusatzgurtes ausgerüstet sein und im Fahrzeughandbuch muss der Hersteller auf diese Montageart hinweisen.
Die dem Kindersitz beigelegte Fahrzeugtypenliste entfällt bei diesen Sitzen mit Universalzulassung.

Reboarder (Haltesystem)

Reboarder sind Autokindersitze, die gegen die Fahrtrichtung eingebaut werden. Kinder dürfen frühestens ab 9 kg vorwärtsgerichtet fahren. Sicherheitstechnisch gesehen ist es aber sinnvoller, Kinder länger rückwärtsgerichtet fahren zu lassen, da bei einem Aufprallunfall der Kopf des Kindes in Fahrtrichtung geschleudert wird und er von einer Rückenlehne am Kindersitz besser gehalten wird.
Bei kleinen Kindern bis ca. 4 Jahre ist der Kopf im Verhältnis zum Körper sehr groß. Erst danach wird die Anatomie so weit angepasst, dass die Nackenmuskulatur stark genug ist, so starke Belastungen zu kompensieren. Und die Belastung ist stark:
Bereits ab einem Frontalunfall mit 50 km/h tritt auf den Nacken des Kindes eine Belastung von ca. 200 kg auf. Mediziner erklären, dass ein Genickbruch ab einer Belastung von 130 kg vorprogrammiert ist.
So dürfen auch gerne Kindersitze der Gruppe 1 noch rückwärts gerichtet sein.

Fangkörper

Ein Fangkörper ist eine Zusatzeinrichtung bei Kinderautositzen, welche bei vorwärtsgerichteten Kindersitzen mit eingebaut werden kann. Der Fangkörper wird vor den Bauch des Kindes befestigt und hilft, die Sicherheit bei Kindern zu vergrößern, da er den beim Unfall nach vorne geschleuderten Körper des Kindes auffängt. Dadurch lassen sich gefährliche Verletzungen im Hals- und Nackenbereich des Kindes verhindern.

Wo sitzt das Kind am sichersten?

Experten sind der Meinung, dass Kinder hinten in der Mitte am Sichersten sitzen, da dort sowohl vorne als auch an der Seite Platz ist und das Kind bei einem Unfall nicht so schnell anstößt. Leider sind in vielen Fahrzeugen dort nur Beckengurte (2-Punkt-Gurte) angebracht, für die nur wenige Kindersitze zugelassen sind. Alternativ sitzt das Kind hinten rechts hinter dem Beifahrersitz.
Auf dem Beifahrersitz darf ein Kindersitz nur dann befestigt werden, wenn es keinen Airbag gibt oder sich dieser zuverlässig ausstellen lässt (und das auch getan wird).

Praktische Tipps:

  • Bei gebrauchten Kindersitzen bzw. Babyschalen auf die EU-Plakette schauen. Sitze mit der Prüfziffer 01 und 02 sind nicht mehr zugelassen. Es folgt nicht nur ein Bußgeld, sonder auch die Sicherheit des Kindes ist massiv gefährdet.
  • Bei gebrauchten Kindersitzen nach Unfällen fragen. Kindersitze, die schon einmal einen Unfall gehabt haben, können Schäden haben, die man auf den ersten Blick nicht sieht, bei einem weiteren Unfall aber schwerwiegende Folgen haben. 
  • Kombinationen sparen oft nicht nur Geld (sie sind zwar in der Anschaffung etwas teurer, aber dafür kann man sie länger nutzen), sondern auch Zeit, da man sich den Zeitaufwand für den Kauf des nächstgrößeren Kindersitzes sparen kann. 
  • Bei Gruppe 1 Kindersitzen sind Reboarder im Allgemeinen sicherer als vorwärts gerichtete Autositze.
  • Beim Kauf von Babyschalen auch Rückenlängen vergleichen. Es gibt da Unterschiede bis zu mehreren cm. Da Babys so lange wie möglich in der Babyschale rückwärts fahren sollen, jedoch nicht mehr, wenn der Kopf über den Rand schaut, empfiehlt es sich eine größere Babyschale zu verwenden. Viele Hersteller bieten für die ganz Kleinen sogenannte „Sitzverkleinerer“ an, die später herausgenommen werden können. 
  • Für Frühchen sind oft auch die Sitzverkleinerer zu groß. Daher sollten zusammengerollte Tücher o. ä. zusätzliche Stabilität geben.
  • Kinder sollten in Kindersitzen keine dicke Kleidung tragen, da dann der Gurt nicht straff genug festgeschnallt werden kann. Lieber eine Decke über den Gurt legen.


Zum guten Schluss

Wenn Sie sich für den Familienzuwachs (oder kurz davor) ein neues Auto kaufen: Am besten mit Iso-Fix-Einrichtung. Und ganz wichtig darauf achten, dass, auch wenn es kein Iso-Fix gibt, der Gurt lang genug für die Befestigung der Babyschale ist. Beim Chevrolet Matiz ist das hinten z. B. nicht der Fall.